Aktionärsschützer: „Olaf Marx wurde von seinen Gegnern unterschätzt“

Aktionärsschützer: „Olaf Marx wurde von seinen Gegnern unterschätzt“

Was denkt ein Profi-Aktionär über die Vorgänge bei SKW? Ich sprach mit dem Börsen-Experten Johannes Weber von der SdK über Marx, Michel und die merkwürdige Rolle des Bankers Titus Weinheimer.

So eine Hauptversammlung hat auch ihre ruhigen Phasen, an denen man entweder in der Nase bohren, interessante Gespräche führen oder sich mit einem Imbiss den Wamst vollschlagen kann.

Im Falle der SKW-HV am 18. Mai war letzteres jedoch ein kostenpflichtiges Vergnügen. Sogar das Wasser musste man bezahlen. Mir scheint, für HV-Touristen sind karge Zeiten angebrochen.

Ramsauer sagte ab, aber sonst war die SKW-HV am 18.5. ganz lustig

Also ließ ich die Würstchen Würstchen sein und knüpfte lieber Kontakte. Zum Beispiel zu Johannes Weber, Fondsberater, Geschäftsführer der Unternehmensberatung und Vermögensverwaltung → 4vestor GmbH und Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Weber kennt die SKW-Thematik schon lange und kann mit viel historischem Wissen über die Firma aufwarten. Gut für mich und meine Bloggerei. Ich unterhielt mich nach der HV mit Weber und hier ist das Protokoll unseres Gesprächs.

Herr Weber, sie beschäftigen sich ja schon viel länger mit der SKW-Tragödie als ich. Mit welchen Gefühlen verließen Sie die SKW-HV am 18. Mai in München? Die Mehrheit der Aktionäre hat sich ziemlich eindeutig für einen Fortbestand der Gesellschaft ausgesprochen. Deswegen meine ich, dass eine Restchance für den Verbleib der SKW an der Börse existiert.

Halten Sie es für möglich, dass die Insolvenz abgewendet werden kann? Das hat meines Wissens noch keiner versucht und wäre in der jüngeren Geschichte Deutschlands einmalig. Es ist im Fall der SKW allerdings auch einmalig, dass eine Insolvenz so stark angezweifelt wird. Insofern denke ich, dass alles möglich ist.

Wie bewerten Sie den Auftritt von SKW-Alleinvorstand Kay Michel auf der HV? Der war wie immer und verfolgt seine Strategie und versucht sein Umfeld von der Notwendigkeit einer Insolvenz zu überzeugen. Alles andere hätte mich sehr überrascht.

Und Michel-Gegenspieler Olaf Marx – welchen Eindruck hatten Sie? Marx hat einen starken Willen. Mir scheint, den haben seine Gegner unterschätzt. Seine Idee, mit einer Kapitalerhöhung die Gesellschaft zu stabilisieren und aus der Insolvenz zu führen, klingt schlüssig. Damit kommen auf einmal völlig neue Möglichkeiten auf. Ich denke, man müsste dann mit den Gläubigern einen ganz neuen Haircut verhandeln. Abgesehen davon würde mich sehr interessieren, was Speyside macht, wenn die Gesellschaft fortbesteht. Vielleicht wollen sie dann den Kauf der Bankschulden rückgängig machen. Da gibt es sicher eine entsprechende Vereinbarung zur Absicherung für den Fall der Fälle. Die sind ja nicht blöd. 

Welche Rolle spielt eigentlich Titus Weinheimer, der dienstälteste Aufsichtsrat bei SKW, der jetzt abgewählt wurde? Das frage ich mich schon lange. Er und Speyside-Chef Oliver Maier haben in München an derselben Uni studiert und beide arbeiten jetzt in Manhattan. Und beide jetten in der Welt herum und machen Transaktionen. Sie passen perfekt zusammen. Auch dass Weinheimer offenbar Widerspruch gegen seine Abwahl zu Protokoll geben ließ, gibt mir zu denken. Warum klammert er sich so fest an die SKW? Eigentlich könnte ihm das ganze Theater herzlich egal sein. Aber er hat wohl noch etwas vor mit SKW.

Ihr Kollege Andreas Breijs von der Aktionärsvereinigung DSW argumentierte auf der SKW-HV leidenschaftlich für die Insolvenz, was ja völlig gegen die Interessen aller SKW-Aktionäre ist. Wie kam das? Das kann ich mir gar nicht erklären. Eigentlich sitzen wir im selben Boot. Es war offensichtlich, dass den anwesenden Aktionären dieser Auftritt gar nicht gepasst hat. Aber mehr will ich dazu nicht sagen.

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