Seid auf der Hut vor Speyside Equity! Die Firmenräuber um Oliver Maier räumen SKW leer

Seid auf der Hut vor Speyside Equity! Die Firmenräuber um Oliver Maier räumen SKW leer

Der US-Fond Speyside Equity steht vor der Übernahme der SKW AG. Deren Chef Kay Michel hält die Tür weit auf, obwohl die Aktionäre enteignet werden sollen.

Warum die Gründer von Speyside Equity ihre Firma nach einer Region benannten, in der ein paar Dutzend schottischer Whiskybrenner hochprozentige Getränke destillieren, habe ich noch nicht herausgefunden. Vielleicht vollzog sich die Namensgebung im Rahmen eines ausgiebigen Vollrausches, pardon, einer exquisiten Spezialitätenverkostung, wie man in distinguierten Kreisen solche Besäufnisse zu bezeichnen pflegt.

Die Spey ist ein Fluss im wildromantischen Nordosten Schottlands, wo herrlich-rauchige Single-Malt-Whiskys herkommen.

Oliver Maier, einer der Chefs von Speyside Equity, ist Deutscher und residiert weniger idyllisch am New Yorker Broadway.

Der ehemalige Nordamerika-Manager des Evonik-Konzerns gilt als kongenialer Partner von Kay Michel bei der überfallartigen Übernahme der SKW Metallurgie Holding AG.

Was aber macht SKW so interessant für Speyside?

Das kann ich ziemlich genau herleiten. Um das Ergebnis vorwegzunehmen – durch das Zusammenspiel von SKW-Chef Michel und Speyside-Chef Maier kann Speyside bei überschaubarem Risiko sage und schreibe über 50 Mio. Euro erwirtschaften. Und die bisherigen Aktionäre gehen völlig leer aus. Schlimmer noch, sie verlieren ihre geleisteten Einlagen komplett. Dank Vorstand Michel und Investor Maier.

Nun, Kapitalismuskritiker würden die Firma Speyside eine Heuschrecke nennen. Ich bin kein Freund solcher ideologisch unterfütterten Pauschalurteile und plädiere für Differenzierung.

Die Bezeichnung von Speyside Equity als Heuschrecke wirkt deplatziert. Ich halte sie für eine Verniedlichung.

Heuschrecken sind harmlose Insekten, die nur in großer Masse eine bedrohliche Wirkung entfalten.

Speyside jedoch ist für sich allein ein gefährlicher Firmenräuber, vor dem Aktionäre auf der Hut sein müssen. Seit Oliver Mayer mit Kay Michel die Übernahme von SKW beschlossen hat, kann man das so klipp und klar sagen.

Denn wenn die geplante Übernahme von SKW gelingt, bleiben eine Menge enteigneter und angeschmierter SKW-Aktionäre zurück. Ganz zu schweigen von den Gläubigern der SKW AG, die Opfer einer strategischen und vermutlich überflüssigen Insolvenz geworden sind.

Jemanden einen Firmenräuber zu nennen, ist zugegeben starker Tobak. Oder ein Gläschen scharfer Sprit, um in obigem Bild zu bleiben.

Ich kann meine Wortwahl klar begründen. Gehen wir einfach zurück auf Los und schauen wir uns das SKW-Monopoly an, das nur einen Gewinner kennt: Oliver Maier und seine Speyside Equity.

Nein, das stimmt vielleicht nicht genau. Ich kann mir vorstellen, dass sich irgendwann irgendwer bei Kay Michel für die Enteignung seiner Aktionäre und die Ausbeutung seiner Gläubiger bedanken wird. Aber das ist reine Spekulation.

Wie ich in einem anderen Artikel hier bereits erklärte, hat Speyside den Gläubigerbanken der SKW Holding ihre fetten Forderungen mit hohem Abschlag abgekauft.

Die nominelle Forderungshöhe der Banken betrug 74 Mio. Euro. Diese Forderung wurde für nur 48 Mio. Euro an Speyside verkauft.

Wenn Banken sich von einem siechenden Unternehmen verabschieden, dann ist es durchaus üblich, Kreditforderungen unter Wert zu verkaufen. Und zwar mit einem sogenannten Haircut.

Haircut? Wem fallen eigentlich immer diese lustigen Begriffe in der komplett unlustigen Finanzwelt ein?

In diesem Fall betrug der Nachlass 26 Mio. Euro bzw. 35% des Nominalwertes.

SKW muss aber auch nach dem Verkauf des Kredites Forderungen in Höhe von 74 Mio. Euro an Speyside zurückzahlen. Inklusive der Zinsen auf den Nominalwert! Den Haircut hat ja Speyside vereinnahmt. SKW und auch die Gläubiger und Aktionäre haben gar nichts von dem Deal mit den Banken.

Noch mal für alle, die es nicht glauben wollen: Speyside hat den Kredit bzw. die Forderung für 48 Mio. Euro gekauft, bekommt aber bei seiner Fälligkeit 74 Mio. Euro zurück.

Für den Differenzbetrag kann man sich ein paar Flaschen edelsten Whiskys einkaufen. I bet.

Der alte Kredit der Banken wurde mit Ende der Vertragslaufzeit am 31. Januar 2018 fällig gestellt. SKW kann diese Forderung natürlich nicht sofort begleichen, weil es noch keine Anschlussfinanzierung gibt. Deshalb soll es jetzt einen Debt-to-equity Swap geben, also eine Wandlung von Teilen des Fremdkapitals in Eigenkapital, um die Schuldendienst- bzw. Kapitaldienstfähigkeit wiederherzustellen.

Wieder so ein lustiger Begriff. Aber was ist ein Debt Equity Swap genau?

So bezeichnet man eine Methode des Schuldentausches.

Wenn ein Unternehmen nicht in der Lage ist, die Schulden bei seinen Gläubigern zurückzubezahlen, können die Gläubiger ihre Forderungen in Eigenkapital an der Firma umwandeln. Ein Dept Equity Swap macht aus Gläubigern neue Miteigentümer.

Das ist nicht alleine dann sinnvoll, wenn es im Finanzgebälk kracht. Experten sehen in einem Debt Equity Swap auch Vorteile für gesunde Unternehmen, deren Bilanzierung – aufgrund des höheren Eigenkapitalanteils – dadurch weit besser ausfällt.

Zurück zum Überfall auf die krankgerechnete SKW AG.

Die Entschuldung soll im Wesentlichen erfolgen, indem ca. 34 Mio. Euro der Kreditsumme im Rahmen des Insolvenzplans in Eigenkapital gewandelt (geswapt) werden, berichtet das zur FAZ gehörende → Finance-Magazin. Da vorher eine Kapitalherabsetzung der Altaktionäre auf null geplant ist (Enteignung), gehört Speyside nach dem Debt-to-equity Swap die SKW zu 100%.

Das  alleine muss man sich wie einen Schluck gereiften Lagavulin auf der Zunge zergehen lassen. Brennt’s? Womöglich nicht genug. Dann kann ich gerne nachgießen.

Es bleiben nämlich immer noch ca. 40 Mio. Euro Fremdkapital des Kredites übrig. Keine Sorge, diese Schuldenlast kann SKW bedienen. Die Kredite werden vermutlich im Laufe der Zeit zurückgezahlt oder von Speyside auf andere Banken umgeschuldet, die nun wieder bereitwillig den Kredit übernehmen, weil SKW jetzt bilanziell restrukturiert und gemäß üblicher Finanzkennzahlen wieder ein glaubwürdiger Kreditnehmer geworden ist.

Speyside hat also ca. 48 Mio. Euro für den Kredit bezahlt, bekommt später einen Kredit in Höhe von ca. 40 Mio. EUR zurückgezahlt und hat damit für 100% der Anteile an SKW insgesamt 8 Mio. Euro bezahlt.

Der Eigenkapitalwert von SKW beträgt dann wieder geschätzte 60 Mio. Euro.

Speyside streicht somit ungefähr das 7,5-fache seines Einsatzes als Profit ein. In kürzester Zeit. Zum Leidwesen enteigneter Aktionäre und geprellter Gläubiger.

Versteht ihr jetzt, warum ich die Übernahme der SKW AG durch Speyside Equity einen Firmenraub nenne?

Übrigens, die Kapitalherabsetzung der Altaktionäre auf beinahe null wäre grundsätzlich nicht zwingend erforderlich. Dem Vernehmen nach ist sie eine Bedingung von Speyside.

Würde Speyside vorschlagen, dass die Altaktionäre etwa 25 bis 35% am neuen Unternehmen SKW behalten können, wäre daran eigentlich nicht viel auszusetzen und die Aktionäre würden voraussichtlich sogar einem solchen Deal bzw. Insolvenzplan zustimmen. Das sagte man mir.

Speyside hätte dann 65% bis 75% am neuen Unternehmen, könnte aber keinen Squeeze-out (Enteignung der Alt-Aktionäre) durchführen und die AG auch nicht von der Börse nehmen.

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